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Möglichst weit weg

Ideen und Ansätze zur Entsorgung hochradioaktiver Abfälle

Warum schießt man die radioaktiven Abfälle nicht einfach in den Weltraum?

Eine faszinierende Idee: Das Problem wäre für immer von der Erde entfernt. Angesichts der großen Abfallmengen und des Gewichts allein der in Deutschland gelagerten verbrauchten Brennelemente stößt der Vorschlag schnell an seine Grenzen. Wie viele Raketenstarts wären nötig? Was würde das kosten? Und vor allem: Wie groß wären die Risiken? Am 28. Januar 1986 explodierte z. B. die US-Raumfähre „Challenger“ kurz nach dem Start. Einer von mehr als zehn katastrophalen Unfällen in der Geschichte der Raumfahrt.

Behälter mit Radioaktivitätssymbol auf einer Rolltreppe Entsorgungsoptionen - Subduktion

Ins Erdinnere

Eine weitere Idee geht in die entgegengesetzte Richtung: Radioaktive Abfälle werden nicht im Weltraum entsorgt, sondern wandern mit den Verschiebungen der Erdplatten unter die Erdkruste bis ins Erdinnere, weit entfernt von der Erdoberfläche. Die technische Machbarkeit eines solchen Verfahrens ist jedoch ungeklärt. Dort wo die tektonischen Platten zusammenstoßen und sich eine Platte unter die andere schiebt, befinden sich auch Erdbebenzonen oder Vulkangebiete. Die Folgen und Risiken wären nicht abschätzbar.

Ins Eis

Bereits in den 1950er-Jahren wurde über die Endlagerung radioaktiver Abfälle im antarktischen Eis nachgedacht. Die Abfälle sollten so im „ewigen“ Eis verschwinden. Mit der Wärme, die sie ausstrahlen, würden sie sich langsam durch das Eis schmelzen, das über ihnen wieder zufriert. Die früheren Annahmen zur „Ewigkeit“ der antarktischen Eismassen sind heute auch wegen des Klimawandels nicht mehr haltbar.


Schematische Darstellung der P&T-Technologie P&T-Verfahren

Technisch umwandeln

Seit vielen Jahren finden Theorien zur sogenannten „Transmutation“ großes Interesse. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem durch Neutronenbestrahlung langlebige Radionuklide in kurzlebige umgewandelt werden sollen. Trotz intensiver internationaler Forschung ist ein Einsatz dieser Methode nicht absehbar und es befindet sich weltweit keine Anlage in Betrieb. Und weg wären die Abfälle dennoch nicht: Lediglich die Mengen wären reduziert. Das Verfahren würde zudem den Aufbau einer umfangreichen kerntechnischen Industrie notwendig machen. Dies ist durch die derzeitige Gesetzeslage in Deutschland nicht gedeckt.

In Hallen

Kurzfristig erscheint es naheliegend, die Abfälle dort stehen zu lassen, wo sie heute sicher aufbewahrt werden: in den oberirdischen Zwischenlagern. Niemand kann jedoch vorhersehen, ob künftige Gesellschaften die gleichen hohen Sicherheitsansprüche hegen wie wir heute. Zwischenlager sind daher keine Dauerlösung. Langfristig bieten Mauern, Stacheldraht und Wachmannschaften nicht den gleichen Schutz wie stabile, wartungsfreie Gesteinsformationen tief unter der Erdoberfläche.

LKW mit Radioaktivitätszeichen hält an einer Zollschranke Entsorgungsoptionen - Ausland

Ins Ausland

Einige Länder würden die hochradioaktiven Abfälle gegen entsprechende Zahlung wahrscheinlich nehmen. Doch ob in diesem Fall auch die Sicherheitsinteressen vorrangig sind, kann nicht garantiert werden. Der Export ins Ausland verbietet sich allein schon aus ethischen Gründen und ist aus gutem Grund gesetzlich verboten. Die Endlagerung von radioaktiven Abfällen, die in Deutschland entstanden sind, soll auch in nationaler Verantwortung gelöst werden.

Stand: 27.02.2018

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit