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Rücknahme und Rücktransport radioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung

  • Seit dem Jahr 2005 finden keine Transporte deutscher Brennelemente zur Wiederaufarbeitung mehr statt. Bis dahin wurden etwa 6.670 Tonnen Schwermetall zu Wiederaufarbeitungsanlagen gebracht.
  • Es lagern noch Wiederaufarbeitungsabfälle bei den entsprechenden Anlagen im Ausland. Gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen müssen die Abfallbesitzer, die Betreiber der Kernkraftwerke, die radioaktiven Abfälle zurücknehmen.
  • Bis zu 21 Behälter aus Großbritannien und fünf Behälter aus Frankreich sollen auf die Standortzwischenlager Philippsburg (Baden-Württemberg), Biblis (Hessen), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Isar (Bayern) verteilt werden.

Seit dem Jahr 2005 sind Transporte deutscher Brennelemente zur Wiederaufarbeitung ins Ausland untersagt. Bis dahin wurden etwa 6.670 Tonnen Schwermetall (Uran und Spaltprodukte der abgebrannten Brennelemente) zu Wiederaufarbeitungsanlagen gebracht.

5.379 Tonnen gingen in die Wiederaufarbeitung von AREVA NC (vormals COGEMA) in Frankreich, 851 Tonnen in die Wiederaufarbeitung von Sellafield Ltd. (vormals BNFL) in Großbritannien. Die restlichen Mengen wurden entweder in der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) verarbeitet oder in geringerem Maße in folgende ausländische Institutionen transportiert:

  • zur Wiederaufarbeitung bei Eurochemic in Mol (Belgien)
  • zur Lagerung in das Zentrale Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente (CLAB) in Schweden
  • zur Wiederaufarbeitung oder Lagerung in die ehemalige UdSSR (nur Brennelemente aus den KKW Greifswald und Rheinsberg, die auch dort hergestellt wurden)
  • zum weiteren Einsatz in das KKW Paks in Ungarn (nur Brennelemente aus dem KKW Greifswald).

Rücktransporte von Abfällen aus Wiederaufarbeitungsanlagen

Auch wenn nach der Gesetzesänderung seit 2005 keine weiteren Transporte aus Deutschland in die Wiederaufarbeitung stattfinden, lagern noch verbliebene Wiederaufarbeitungsabfälle bei den entsprechenden Anlagen im Ausland. Gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen müssen die Abfallbesitzer, die Betreiber deutscher Kernkraftwerke, diese zurücknehmen. Das erfolgt auch in Übereinstimmung mit dem Grundsatz, dass jedes Land seine radioaktiven Abfälle selber entsorgt.

Behälterzahl mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung

Für die Behälter CASTOR HAW28M und die darin enthaltenen hochradioaktiven bzw. mittelradioaktiven Glaskokillen (verglaste und in Form gegossene Abfälle) ergeben sich beim derzeitigen Stand folgende Zahlen:

  • Im Transportbehälterlager in Gorleben - nicht zu verwechseln mit dem Erkundungsbergwerk (in dem keine Abfälle lagern) und dem Abfalllager (in dem Betriebsabfälle aus Kernkraftwerken lagern) - lagern derzeit insgesamt 108 Behälter mit hochradioaktiven Glaskokillen (und fünf Behälter mit abgebrannten Brennelementen).
  • Nach Angaben der Abfallverursacher (den energieversorgenden Unternehmen) müssen noch 21 Behälter mit hochradioaktiven Glaskokillen aus Großbritannien sowie fünf Behälter mit mittelradioaktiven Abfällen aus Frankreich nach Deutschland transportiert werden. Von AREVA NC sind weiterhin verarbeitete Hülsen und Endstücke der Brennelemente sowie radioaktive Abfälle aus der Betriebsabwasseraufbereitung zurückzuführen (hochdruckkompaktierte radioaktive Abfälle in Behältern TGC27, deren Aufbewahrung für das Transportbehälterlager Ahaus beantragt ist). Aus Großbritannien werden nur hochradioaktive Glaskokillen zurückgeführt.

Ende der Transporte zum Zwischenlager in Gorleben

Die 21 Behälter aus Großbritannien und die fünf Behälter aus Frankreich sollten nach ursprünglichen Planungen in das zentrale Zwischenlager Gorleben gebracht werden.

Mit Schreiben vom 2. Februar 2012 bzw. vom 10. Februar 2012 hatten die GNS bzw. die Brennelementlager Gorleben GmbH (BLG) beim BfS nach § 6 AtG die Aufbewahrung von verfestigten mittelradioaktiven Abfällen (MAW-Glaskokillen) in Transport- und Lagerbehältern der Bauart CASTOR HAW28M im Transportbehälterlager Gorleben beantragt. Die Absicht, verfestigte hochradioaktive Abfälle (HAW-Glaskokillen) aus Sellafield in Gorleben einzulagern, hat die Brennelementlager Gorleben GmbH (BLG) bei Beantragung des Zwischenlagers im Jahr 1993 mitgeteilt.

HintergrundWohin mit den radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung?

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat am 19. Juni 2015 ein Konzept vorgelegt, in dem dargestellt wird, wie die aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und Großbritannien nach Deutschland zurückzuführenden verglasten mittel- und hochradioaktiven Abfälle auf einige der in Deutschland vorhandenen Zwischenlager aufgeteilt werden sollen.

Das BfE beantwortet einige wichtige Fragen rund um die Rückführung von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung, zu deutschen Zwischenlagern und zum weiteren Vorgehen.

Durch das Standortauswahlgesetz wurde auch das Atomgesetz (AtG) geändert. Gemäß §9a Absatz 2a AtG haben seit dem 01.01.2014 die Energieversorger dafür zu sorgen, dass die verbliebenen radioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung zurückgenommen und künftig in standortnahen Zwischenlagern aufbewahrt werden. Der Begriff "standortnah" bezieht sich auf die Standorte der Kernkraftwerke. Da es sich beim Transportbehälterlager Gorleben um ein zentrales und kein standortnahes Zwischenlager handelt, ist die Aufbewahrung im Transportbehälterlager Gorleben nicht mehr möglich.

Verteilung auf vier Zwischenlager

Einem zwischen Bundesumweltministerium, Energieversorgungsunternehmen und Bundesländern abgestimmten Konzept zufolge sollen die verglasten Abfälle nun auf die Standortzwischenlager

  • Philippsburg in Baden-Württemberg (fünf Behälter mit mittelradioaktiven Kokillen),
  • Biblis in Hessen (sieben Behälter mit hochradioaktiven Kokillen),
  • Brokdorf in Schleswig-Holstein (sieben Behälter mit hochradioaktiven Kokillen) und
  • Isar in Bayern (sieben Behälter mit hochradioaktiven Kokillen)

verteilt werden.

Damit die Behälter in die Zwischenlager gebracht werden können, müssen die Abfallbesitzer Genehmigungsanträge für Transport und Zwischenlagerung stellen. Die Anträge zur Zwischenlagerung der Abfälle an den Standorten in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen haben die Energieversorgungsunternehmen am 29. September 2017 eingereicht. Für die Rücktransporte nach Philippsburg und nach Biblis liegen Anträge auf Beförderungsgenehmigung seit dem 3. April 2018 vor.

Die Dauer der Genehmigungsverfahren hängt maßgeblich von der Qualität und Vollständigkeit der einzureichenden Antragsunterlagen ab.

Zurückzunehmende Mengen geringer als ursprünglich geplant

Die insgesamt nach Deutschland zurückzunehmenden Mengen radioaktiver Abfälle aus den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und Großbritannien sind geringer als ursprünglich geplant. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Zum einen sind durch die Beendigung der Transporte zu den ausländischen Wiederaufarbeitungsanlagen weniger abgebrannte Brennelemente zu diesen Anlagen hingeliefert worden. Folglich sind auch weniger Abfälle zurückzunehmen.
  • Zum anderen gibt es neue Abfallprodukte, die zu einer Volumenreduktion führten. So werden anstelle von zementierten und bituminierten Abfallprodukten bei AREVA NC (Frankreich) jetzt hochdruckkompaktierte und mittelaktive verglaste Abfälle hergestellt.
  • Aufgrund der zwischen den KKW-Betreibern und Sellafield Ltd. vertraglich vereinbarten Substitution (Austausch) von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gegen eine äquivalente Zusatzmenge hochradioaktiver Abfälle (Glaskokilllen) sind Hülsen und Endstücke als Abfallstrom von Sellafield Ltd. nicht zurückzunehmen. Auch das führte zu einer Volumenreduktion.
  • Weiterhin wurde aufgrund der nunmehr vorliegenden Produktionserfahrungen die pro Tonne Schwermetall zurückzunehmende Gebindeanzahl angepasst.
Stand: 17.09.2018

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