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Wohin mit den radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung?

Das BfE beantwortet einige wichtige Fragen

  • zur Rückführung von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung,
  • zu deutschen Zwischenlagern und
  • zum weiteren Vorgehen.

Mit Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes wurde auch das Atomgesetz geändert. Der neu eingefügte § 9a Absatz 2a Atomgesetz verpflichtet nunmehr die Betreiber der Kernkraftwerke, die noch aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und Großbritannien nach Deutschland zurückzuführenden verglasten mittel- und hochradioaktiven Abfälle in den Zwischenlagern an den Standorten der Kernkraftwerke, sogenannte Standort-Zwischenlager, aufzubewahren und nicht wie zuvor im Zwischenlager Gorleben.

Im Laufe der Verhandlungen zum Standortauswahlgesetz erklärten sich die Länder Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bereit, einen Teil der Abfälle aufzunehmen. In den weiteren Verhandlungen konnten sich die übrigen Länder zunächst nicht über eine Aufnahme der restlichen Abfälle verständigen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat am 19. Juni 2015 ein Konzept vorgelegt, in dem dargestellt wird, wie die verbleibenden Abfälle auf einige der in Deutschland vorhandenen Zwischenlager aufgeteilt werden sollen. In weiteren Gesprächen sagten auch Hessen und Bayern zu, ebenfalls einen Teil der Abfälle zu übernehmen, so dass das Konzept nunmehr umgesetzt werden kann.

Die noch zurückzuführenden insgesamt 26 Behälter sollen in einem bundesweit ausgewogenen Verhältnis in Deutschland verteilt werden. Nach dem Konzept des Bundesumweltministeriums sollen im Standortzwischenlager Philippsburg in Baden Württemberg die fünf Behälter mit verglasten mittelradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich aufbewahrt werden. Auf die Zwischenlager an den Standorten Biblis (Hessen), Brokdorf (Schleswig Holstein) und Isar (Bayern) sollen die insgesamt 21 Castoren mit verglasten hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung in Sellafield verteilt werden.

Nachfolgend beantwortet das BfE Fragen zur Rückführung von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung, zu deutschen Zwischenlagern und zum weiteren Vorgehen.

Antworten auf wichtige Fragen zur Rückführung aus der Wiederaufarbeitung

Wie viele Abfälle müssen noch aus der Wiederaufarbeitung zurückgeführt werden?Einklappen / Ausklappen

Insgesamt müssen 26 Behälter mit hoch- und mittelradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung nach Deutschland zurückgeführt werden. 21 Behälter enthalten hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in Großbritannien und fünf Behälter mittelradioaktive Abfälle aus Frankreich.

Wie viele Behälter mit Abfällen sind bisher bereits aus der Wiederaufarbeitung nach Deutschland zurückgebracht worden?Einklappen / Ausklappen

Bis zum Inkrafttreten von § 9a Abs. 2a Atomgesetz wurden die hochradioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in das Zwischenlager Gorleben gebracht. Von derzeit insgesamt 113 lagernden Behältern in Gorleben stammen 108 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung aus dem Ausland.

Was muss geschehen, damit die Castor-Behälter aus der Wiederaufarbeitung in die Zwischenlager kommen können?Einklappen / Ausklappen

Für den Transport der Abfälle nach Deutschland sind sogenannte Beförderungsgenehmigungen nach § 4 Atomgesetz erforderlich. Darüber hinaus wird für die Aufbewahrung der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in den Standort-Zwischenlagern eine Änderungsgenehmigung nach § 6 Atomgesetz benötigt, die vom Betreiber des jeweiligen Zwischenlagers zu beantragen ist. Genehmigungsvoraussetzung ist, dass der Antragsteller gegenüber die Sicherheitsanforderungen nachweisen kann. Die entsprechenden Anträge an den geplanten Standorten Biblis, Philippsburg, Brokdorf und Isar haben die Energieversorgungsunternehmen (EnBW, RWE, PreussenElektra) am 29. September 2017 beim BfE eingereicht.

Informationen zu den Grundsätzen von Genehmigungsverfahren nach § 4 und § 6 Atomgesetz

Bundesumweltministerium: Konzept zur Rückführung der Castor-Behälter

Ergeben sich für die verglasten Abfälle aus der Wiederaufarbeitung andere Anforderungen gegenüber dem Transport und der Aufbewahrung von bestrahlten Brennelementen?Einklappen / Ausklappen

Anders als bestrahlte Brennelemente werden die Abfälle aus der Wiederaufarbeitung verglast und in sogenannte Kokillen gefüllt, die wiederum in entsprechende Transport- und Lagerbehälter eingesetzt werden. Für die Abfälle aus der Wiederaufarbeitung sind jedoch sowohl beim Transport als auch bei der Zwischenlagerung dieselben Sicherheitsanforderungen zu erfüllen wie bei bestrahlten Brennelementen.

Sind die Standort-Zwischenlager geeignet für die Aufbewahrung der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung?Einklappen / Ausklappen

Um die 26 Behälter mit den Abfällen aus der Wiederaufarbeitung in den Standort-Zwischenlagern der Kernkraftwerke aufbewahren zu können, sind atomrechtliche Änderungsgenehmigungsverfahren nach § 6 Atomgesetz notwendig. Dazu haben die Betreiber der Zwischenlager (EnBW, RWE, PreussenElektra) am 29. September 2017 Anträge beim BfE eingereicht. Fragen zum Nachweis der Sicherheit und zu den zu berücksichtigenden technischen Details werden in einem ergebnisoffenen Verfahren geklärt. Die Dauer eines Genehmigungsverfahrens hängt in erster Linie davon ab, in welcher Güte der Antragsteller die für den Nachweis der Sicherheit erforderlichen Unterlagen einreicht.

Grundsätzlich sind die hochradioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung aus Großbritannien und die bestrahlten Brennelemente aus den Kernkraftwerken in ihrer Aktivität je Behälter vergleichbar. Die mittelradioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung aus Frankreich haben dagegen eine geringere Aktivität je Behälter. An den vom BMU genannten möglichen Standort-Zwischenlagern sind grundsätzlich ausreichende Stellplatzkapazitäten für die Aufbewahrung von den Abfällen aus der Wiederaufarbeitung vorhanden. Das bereits genehmigte radioaktive Gesamtinventar wird nicht überschritten.

Anteil der maximal zulässigen Gesamtaktivität der Behälter aus der Wiederaufarbeitung
am bereits genehmigten Inventar des Zwischenlagers
ZwischenlagerArt der AbfälleAnzahl BehälterAnteil am bereits genehmigten Inventar
Philippsburg (Baden-Württemberg)mittelradioaktive Abfälle (aus Frankreich) 50,07 Prozent
Isar (Bayern)hochradioaktive Abfälle (aus Großbritannien)76 Prozent
Biblis (Hessen)hochradioaktive Abfälle (aus Großbritannien)710,5 Prozent
Brokdorf (Schleswig-Holstein)hochradioaktive Abfälle (aus Großbritannien)716,2 Prozent

Weitere Informationen

Werden in den Änderungsgenehmigungsverfahren für die Aufbewahrung der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in den Standort-Zwischenlagern die Auswirkungen eines gezielt herbeigeführten Flugzeugabsturzes geprüft und bewertet?Einklappen / Ausklappen

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) prüft und bewertet im Rahmen der Änderungsgenehmigungsverfahren auch den gezielt herbeigeführten Flugzeugabsturz.

Informationen zum Schutz der Zwischenlager gegen SEWD und gegen einen gezielt herbeigeführten Flugzeugabsturz

Was bedeutet die Aufbewahrung der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in den Standort-Zwischenlagern im Hinblick auf den Schutz gegen terroristisch motivierte Taten?Einklappen / Ausklappen

Im Rahmen der durchzuführenden Änderungsgenehmigungsverfahren nach § 6 Atomgesetz prüft das BfE, ob der erforderliche Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter (SEWD) gewährleistet ist. Dazu zählen zum Beispiel kriminelle Handlungen, Terror- und Sabotageakte.

Weitere Informationen

Wie viele Transporte wären notwendig, um die Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in die jeweiligen Standort-Zwischenlager zu bringen?Einklappen / Ausklappen

Die Anzahl der erforderlichen Transporte ist abhängig von den Planungen der Zwischenlagerbetreiber. Bisher wird davon ausgegangen, dass die radioaktiven Abfälle in einem Transport aus Frankreich und in voraussichtlich drei sukzessiv durchgeführten Transportkampagnen ab 2019 aus Großbritannien stattfinden sollen.

Stand: 06.06.2016

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit