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Laufzeiten und Elektrizitätsmengen deutscher Kernkraftwerke

  • Spätestens Ende 2022 sollen alle Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.
  • Das Atomgesetz legt seit 2011 für jedes Kernkraftwerk einen Abschalttermin fest.
  • Unabhängig vom Abschalttermin erlischt die Berechtigung zum Leistungsbetrieb eines Kernkraftwerks, wenn die zugeordnete Elektrizitätsmenge produziert wurde.
  • Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit dokumentiert und veröffentlicht diese Elektrizitätsmengen.

Kernkraftwerk Emsland Kernkraftwerk EmslandKernkraftwerk Emsland

Abschalttermine begrenzen die Laufzeiten

Die letzten noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke in Deutschland sollen spätestens 2022 abgeschaltet werden. Das Atomgesetz legt für diese Kernkraftwerke folgende Termine fest, an denen die Berechtigung zum Leistungsbetrieb erlischt:

  • 31. Dezember 2019: Kernkraftwerk Philippsburg 2
  • 31. Dezember 2021: Kernkraftwerke Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf
  • 31. Dezember 2022: Kernkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2.

Gemäß Atomgesetz kann die Berechtigung zum Leistungsbetrieb eines Kernkraftwerkes auch vor den oben genannten Abschaltterminen erlöschen, wenn die jeweils zugeordnete Elektrizitätsmenge erzeugt wurde.

Nach endgültiger Abschaltung eines Kernkraftwerks schließt sich die Nachbetriebsphase an, während der Arbeiten zur Vorbereitung der Stilllegung durchgeführt werden.

Feste Abschalttermine als Reaktion auf den Reaktorunfall in Fukushima 2011

Aufgrund des Reaktorunfalls in Fukushima Daiichi, Japan, vom 11. März 2011 beschloss die Bundesregierung am 14. März 2011, alle deutschen Kernkraftwerke, die bis einschließlich 1980 in Betrieb gegangen waren, vom Netz zu nehmen und herunterzufahren. Davon betroffen waren die Kernkraftwerke

  • Biblis A und Biblis B,
  • Brunsbüttel,
  • Isar 1,
  • Neckarwestheim 1,
  • Unterweser und
  • Philippsburg 1.

Das Kernkraftwerk Krümmel war zu diesem Zeitpunkt bereits vom Netz.

Für diese acht abgeschalteten und die neun zu diesem Zeitpunkt noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke führte die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) eine Sicherheitsüberprüfung durch (Robustheitsbewertung). Die Ergebnisse sowie der gesamtgesellschaftliche Dialog unter Beteiligung der Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" führten in Deutschland zu einer Neubewertung der Risiken der Nutzung der Kernenergie.

Die Bundesregierung beschloss, die Nutzung der Kernenergie zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität in Deutschland so schnell wie möglich zu beenden. Das daraufhin geänderte Atomgesetz trat am 6. August 2011 in Kraft. Dadurch erlosch zu diesem Zeitpunkt die Berechtigung zum Leistungsbetrieb für die acht bereits aus dem Leistungsbetrieb genommenen Kernkraftwerke. Für die noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke wurden feste Abschalttermine im Atomgesetz festgelegt.

Nach 2011 abgeschaltete Kernkraftwerke

Gemäß dem im Jahr 2011 geänderten Atomgesetz galt für das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld der 31. Dezember 2015 als Termin für das Laufzeitende. Es wurde am 27. Juni 2015 endgültig abgeschaltet.

Am 31. Dezember 2017 wurde entsprechend der gesetzlichen Vorgaben das Kernkraftwerk Gundremmingen B außer Betrieb genommen.

Elektrizitätsmengen der deutschen Kernkraftwerke

Jahresmeldung 2017 Jahresmeldung 2017 - erzeugte, übertragene und verbleibende ElektrizitätsmengenJahresmeldung 2017 - ein Klick auf das Bild öffnet eine Übersicht der erzeugten, übertragenen und verbleibenden Elektrizitätsmengen als PDF.

Unabhängig vom konkreten Abschalttermin darf jedes Kernkraftwerk eine ihm individuell zugeordnete Elektrizitätsmenge erzeugen. Diese Elektrizitätsmenge wird alternativ oft als „Reststrommenge“ bezeichnet. Hat ein Kernkraftwerk diese Elektrizitätsmenge erzeugt, erlischt seine Berechtigung zum Leistungsbetrieb.

Die Elektrizitätsmengen sind in der Spalte 2 der Anlage 3 zu § 7 Absatz 1a des Atomgesetzes gelistet. Gemäß Atomgesetz ist es möglich, Elektrizitätsmengen von einem auf ein anderes Kernkraftwerk zu übertragen.

Mindestens einmal im Jahr veröffentlicht das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) die erzeugten, übertragenen und verbleibenden Elektrizitätsmengen.

Übertragung, Veröffentlichung und Festlegung von Elektrizitätsmengen

Übertragung

Übertragung von Elektrizitätsmengen

Elektrizitätsmengen können ganz oder teilweise von einem - in der Regel älteren und kleineren - Kernkraftwerk auf ein anderes Kernkraftwerk übertragen werden. Auch eine Übertragung der noch verbliebenen Strommengen von abgeschalteten Kernkraftwerken ist möglich.

Die Übertragung von einem neueren auf ein älteres Kernkraftwerk bedarf nach dem Atomgesetz der Zustimmung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (jetzt: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit - BMU) im Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Übertragungen von Elektrizitätsmengen sind dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) anzuzeigen und werden bei der Erfassung der Elektrizitätsmengen berücksichtigt.

2018 übertragene Elektrizitätsmengen

Am 10. Januar 2018 wurde eine Elektrizitätsmenge von insgesamt 31 TWh auf das Kernkraftwerk Gundremmingen Block C übertragen. Die übertragene Elektrizitätsmenge stammt aus Kontingenten der bereits abgeschalteten Kernkraftwerke

  • Mühlheim-Kärlich (30 TWh) und
  • Unterweser (1 TWh).

Am 20. März 2018 wurden 8,45424 TWh – die gesamte verbliebene Elektrizitätsmenge – vom bereits abgeschalteten Kernkraftwerk Philippsburg 1 auf das Kernkraftwerk Philippsburg 2 übertragen.

Veröffentlichung durch BfE

BfE: Dokumentation und Veröffentlichung der Elektrizitätsmengen

Die Energieversorgungsunternehmen

  • messen die in den deutschen Kernkraftwerken erzeugten Elektrizitätsmengen,
  • melden die Daten monatlich an das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE),
  • lassen einmal im Jahr die Messgeräte durch unabhängige Sachverständigenorganisationen prüfen und die mitgeteilten Elektrizitätsmengen durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bescheinigen.

Das BfE erhält die Prüfberichte der Sachverständigen und Wirtschaftsprüfer und erfasst die Elektrizitätsmengen. Bei der Dokumentation im BfE werden auch eventuelle Übertragungen von Elektrizitätsmengen berücksichtigt.

Jahresmeldung 2017 Jahresmeldung 2017 - erzeugte, übertragene und verbleibende ElektrizitätsmengenJahresmeldung 2017 - ein Klick auf das Bild öffnet eine Übersicht der erzeugten, übertragenen und verbleibenden Elektrizitätsmengen als PDF.

Mindestens einmal jährlich gibt das BfE die

  • erzeugten,
  • übertragenen und
  • verbleibenden

Elektrizitätsmengen gemäß Atomgesetz im Bundesanzeiger bekannt. Die Jahresmeldung 2017 erschien am 3. April 2018 im Bundesanzeiger (BAnz AT 03.04.2018 B5).

Ist auf Grund der verbleibenden Elektrizitätsmenge eine Laufzeit von weniger als sechs Monaten zu erwarten, erfolgt die Veröffentlichung auch monatlich.

Festlegung

Festlegung der Elektrizitätsmengen

Bereits im Juni 2001 hatten die Bundesregierung und die Energieversorgungsunternehmen für jedes Kernkraftwerk eine bestimmte Elektrizitätsmenge vereinbart, die die einzelne Anlage mit Bezugsdatum zum 1. Januar 2000 noch produzieren darf (sog. Konsensvereinbarung). Diese ergab für jedes Kernkraftwerk eine Betriebszeit von ungefähr 32 Jahren und wurde im April 2002 im Atomgesetz festgelegt.

2010 beschloss die Bundesregierung, die Laufzeit der Kernkraftwerke, die bis einschließlich 1980 den Leistungsbetrieb aufnahmen, um 8 Jahre beziehungsweise die Laufzeit der jüngeren Kernkraftwerke um 14 Jahre zu verlängern. Entsprechend wies das im Dezember 2010 geänderte Atomgesetz den einzelnen Kernkraftwerken zusätzliche Elektrizitätsmengen zu.

Auf Grund des Reaktorunfalls in Fukushima Daiichi, Japan, am 11. März 2011 beschloss die Bundesregierung, die Nutzung der Kernenergie zur gewerblichen Elektrizitätserzeugung neu zu bewerten und als Folge daraus so schnell wie möglich zu beenden. Das daraufhin im August 2011 geänderte Atomgesetz enthält wieder ausschließlich die bereits in dem früheren Atomgesetz vom April 2002 festgeschriebenen Elektrizitätsmengen für jedes einzelne Kernkraftwerk. Die im Dezember 2010 festgelegte Laufzeitverlängerung wurde rückgängig gemacht und die zusätzlichen Elektrizitätsmengen gestrichen. Darüber hinaus wurde für jedes Kernkraftwerk ein konkretes Datum als Laufzeitende festgelegt.

Festlegung der Elektrizitätsmengen

Bereits im Juni 2001 hatten die Bundesregierung und die Energieversorgungsunternehmen für jedes Kernkraftwerk eine bestimmte Elektrizitätsmenge vereinbart, die die einzelne Anlage mit Bezugsdatum zum 1. Januar 2000 noch produzieren darf (sog. Konsensvereinbarung). Diese ergab für jedes Kernkraftwerk eine Betriebszeit von ungefähr 32 Jahren und wurde im April 2002 im Atomgesetz festgelegt.

2010 beschloss die Bundesregierung, die Laufzeit der Kernkraftwerke, die bis einschließlich 1980 den Leistungsbetrieb aufnahmen, um 8 Jahre beziehungsweise die Laufzeit der jüngeren Kernkraftwerke um 14 Jahre zu verlängern. Entsprechend wies das im Dezember 2010 geänderte Atomgesetz den einzelnen Kernkraftwerken zusätzliche Elektrizitätsmengen zu.

Auf Grund des Reaktorunfalls in Fukushima Daiichi, Japan, am 11. März 2011 beschloss die Bundesregierung, die Nutzung der Kernenergie zur gewerblichen Elektrizitätserzeugung neu zu bewerten und als Folge daraus so schnell wie möglich zu beenden. Das daraufhin im August 2011 geänderte Atomgesetz enthält wieder ausschließlich die bereits in dem früheren Atomgesetz vom April 2002 festgeschriebenen Elektrizitätsmengen für jedes einzelne Kernkraftwerk. Die im Dezember 2010 festgelegte Laufzeitverlängerung wurde rückgängig gemacht und die zusätzlichen Elektrizitätsmengen gestrichen. Darüber hinaus wurde für jedes Kernkraftwerk ein konkretes Datum als Laufzeitende festgelegt.


Stand: 15.06.2018

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit