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Zentrales Zwischenlager Gorleben

Das Transportbehälterlager (TBL) Gorleben ist ein Lager zur Aufbewahrung von Kernbrennstoffen in Form von bestrahlten Brennelementen aus Leichtwasserreaktoren sowie von HAW-Glaskokillen (verglasten hochradioaktiven Spaltproduktlösungen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente). Künftig sollen nach den Planungen des Betreibers im TBL Gorleben auch sonstige radioaktive Stoffe aus dem Abfalllager Gorleben (ALG) gelagert werden. Das TBL befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Gorleben (Landkreis Lüchow-Dannenberg), etwa 2 Kilometer südlich von Gorleben. Betrieben wird es von der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS). Weitere Genehmigungsinhaberin ist die Brennelementlager Gorleben GmbH (BLG).

Das TBL Gorleben wurde zwischen 1982 und 1983 errichtet. Die Lagerhalle besteht aus einem Empfangs- und Wartungsbereich sowie einem Lagerbereich mit 420 Stellplätzen.

Genehmigungsbehörde für die Aufbewahrung von Kernbrennstoffen im TBL Gorleben gemäß § 6 Atomgesetz ist seit dem 30. Juli 2016 das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Es hat diese Aufgabe vom bis dahin zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) übernommen. Atomrechtliche Aufsichtsbehörde ist das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Lagerbelegung

Lagerbelegung

Aktuell befinden sich im TBL Gorleben insgesamt 113 Behälter mit Kernbrennstoffen, davon

  • fünf Behälter mit abgebrannten Brennelementen und
  • 108 Behälter mit HAW-Glaskokillen, die aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente bei der AREVA NC in La Hague (Frankreich) stammen.

Aufbewahrungsgenehmigungen

Erteilte Aufbewahrungsgenehmigungen

Die Aufbewahrungsgenehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz vom 2. Juni 1995 gilt bis zum 31. Dezember 2034. Dementsprechend dürfen im TBL Gorleben auf 420 Stellplätzen maximal 3.800 Megagramm (= 3.800 Tonnen) Kernbrennstoff

  • in Form bestrahlter Brennelemente aus Leichtwasserreaktoren in CASTOR-Behältern sowie
  • in Form von HAW-Glaskokillen in CASTOR-Behältern und in einem Behälter TS 28V

stehend aufbewahrt werden.

1. Änderungsgenehmigung

Mit der 1. Änderungsgenehmigung vom 1. Dezember 2000 wurde die Aufbewahrung von bestrahlten Leichtwasserreaktorbrennelementen in weiteren Behälterbauarten zugelassen. Auf einige der genehmigten Behälterbauarten wurde jedoch später verzichtet und der Genehmigungsumfang im Rahmen der 3. Änderungsgenehmigung entsprechend angepasst.

2. Änderungsgenehmigung

Die am 18. Januar 2002 erteilte 2. Änderungsgenehmigung erlaubt die Aufbewahrung von HAW-Glaskokillen in Behältern der modifizierten Bauart CASTOR HAW 20/28CG SN 16. Bei der Modifikation handelt es sich um geringfügige Änderungen, wie zum Beispiel die Verbesserung der Neutronenabschirmung durch die Vergrößerung der Moderatormasse in der Behälterwand.

3. Änderungsgenehmigung

Die am 23. Mai 2007 erteilte 3. Änderungsgenehmigung erlaubt die Aufbewahrung der französischen Behälterbauart TN85 für HAW-Glaskokillen mit einer höheren Wärmeleistung von bis zu 56 Kilowatt (kW) pro Behälter.

4. Änderungsgenehmigung

Am 29. Januar 2010 ist die 4. Änderungsgenehmigung (nichtamtliche Lesefassung*) erteilt worden, die die Aufbewahrung von HAW-Glaskokillen der AREVA NC auch in Behältern der neuen Bauart CASTOR HAW28M im TBL Gorleben gestattet. Die Behälter können bei Beladung mit 28 Kokillen eine maximale Wärmeleistung von 56 kW erreichen. Darüber hinaus schließt die 4. Änderungsgenehmigung eine veränderte Aufstellung der vormals genehmigten Transport- und Lagerbehälter der französischen Bauart TN85 ein.

*Unter dem Begriff "nicht-amtliche Lesefassung" ist die nicht rechtsverbindliche Zusammenfassung des in den einzelnen Genehmigungen (Grundgenehmigung plus Änderungsgenehmigungen) ausgesprochenen Gestattungsrahmens ohne genehmigende Wirkung zu verstehen.

Genehmigungsverfahren

Aktuelle Genehmigungsverfahren

In den laufenden Genehmigungsverfahren werden derzeit die Antragsgegenstände nach dem Stand von Wissenschaft und Technik geprüft.

Darüber hinaus ist für jedes Änderungsvorhaben anhand einer Vorprüfung nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) festzustellen, ob die Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung, die ein formales Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren einschließt, besteht.

Mitgenehmigungsinhaberschaft der BGZ an der Aufbewahrungsgenehmigung nach § 6 AtG für das TBL Gorleben

Mit Schreiben vom 15.5.2017 hat die BGZ - Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH die Mitgenehmigungsinhaberschaft an der Aufbewahrungsgenehmigung nach § 6 AtG für das Transportbehälterlager Gorleben beantragt. Die bisherigen Genehmigungsinhaber GNS - Gesellschaft für Nuklearservice mbH und die die BLG – Brennelementlager Gorleben GmbH sind dem Antrag beigetreten. Mit dem Eintritt in die Mitgenehmigungsinhaberschaft wird die BGZ anstelle der GNS als Mitgenehmigungsinhaberin in alle sich aus der Aufbewahrungsgenehmigung ergebenden Rechte und Pflichten eintreten.

Erweiterung des baulichen Schutzes des TBL Gorleben

Mit Schreiben vom 20. Mai 2011 hat die GNS die Erweiterung des baulichen Schutzes des TBL Gorleben gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter beantragt. Die Nachrüstung dient der Optimierung der Sicherungsmaßnahmen. Zur Realisierung der Maßnahmen ist neben einer atomrechtlichen Genehmigung durch das BfE u.a. auch eine baurechtliche Genehmigung durch den Landkreis Lüchow-Dannenberg erforderlich.

Beantragte Lagerung von sonstigen radioaktiven Stoffen im TBL Gorleben

Mit Schreiben vom 5. Dezember 2013 hat die GNS die Lagerung von sonstigen radioaktiven Stoffen in einem Teil der Lagerhalle des TBL Gorleben beantragt. Bei den sonstigen radioaktiven Stoffen handelt es sich um nicht wärmeentwickelnde Abfälle, die sich derzeit im Abfalllager Gorleben befinden. In dem für diese Abfälle vorgesehenen Teil der TBL-Lagerhalle befinden sich keine Transport- und Lagerbehälter mit Kernbrennstoffen.

Weitere Anlagen auf dem Betriebsgelände

Auf dem Betriebsgelände befinden sich neben dem Transportbehälterlager Gorleben noch das Abfalllager Gorleben und die Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben. Beide Anlagen werden von der GNS betrieben.

  • Das Abfalllager Gorleben dient der Lagerung von radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung. Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde ist das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz
  • Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde für die Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben ist das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. In der Anlage sollen insbesondere Verpackungsverfahren für die spätere sichere Endlagerung radioaktiver Stoffe entwickelt und optimiert werden. Darüber hinaus können in der Pilot-Konditionierungsanlage Gorleben zum Beispiel Reparaturen an Behältern mit bestrahlten Brennelementen durchgeführt oder Behälterumladungen vorgenommen werden.
Stand: 27.06.2017

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit