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Standort-Zwischenlager Obrigheim (Baden-Württemberg)

Einen Überblick zum Vorhaben der Aufbewahrung bestrahlter Brennelemente am Kernkraftwerksstandort erhalten Sie in der

Antragswerte

Genehmigungs-
verfahren
Datum der
Antragstellung
Masse Schwermetall
(SM) in Tonnen
Aktivität (in Becquerel) WärmeleistungLagerplätze
Standort-
Zwischenlager
Lagerhalle
22. April 20051004,2 x 1018300 Kilowatt 15

Hintergrund

Am 22. April 2005 ging bei der bis zum 29. Juli 2016 zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), der Antrag der Kernkraftwerk Obrigheim GmbH (KWO GmbH) zur Aufbewahrung von bestrahlten Brennelementen in einem Standort-Zwischenlager Obrigheim ein. Zum 1. Januar 2007 ist an die Stelle der KWO GmbH die EnBW Kernkraft GmbH (EnKK) als Antragstellerin getreten. Am 30. Juli 2016 wechselte auch die Genehmigungsbehörde. Seitdem ist das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) für die Genehmigung von Zwischenlagern für Kernbrennstoffe zuständig und führt die laufenden Verfahren fort.

Beantragt wurde die Lagerung von insgesamt 342 bestrahlten Brennelementen aus dem Druckwasserreaktor des bereits im Mai 2005 stillgelegten Kernkraftwerkes Obrigheim.

Die Brennelemente werden derzeit in einem bereits bestehenden externen Nasslager am Standort aufbewahrt. Da das externe Nasslager die geplanten Rückbauarbeiten des Kernkraftwerkes Obrigheim behindert, beabsichtigt die Antragstellerin auf dem Gelände des Kernkraftwerkes Obrigheim ein separates Standort-Zwischenlager mit trockener Zwischenlagerung der bestrahlten Brennelemente für maximal 40 Jahre zu betreiben. Das Konzept der EnKK sieht die Aufbewahrung der bestrahlten Brennelemente in insgesamt 15 Transport- und Lagerbehältern der Behälterbauart CASTOR® 440/84 vor.

Auf der Grundlage des Konzeptes für die sogenannten Interimslager hatte die Antragstellerin zunächst die Aufbewahrung der Behälter liegend unter einzelnen Betonumhausungen beantragt. Aufgrund der Abweichung des Konzeptes von den realisierten Lagerkonzepten der für 40 Jahre genehmigten Zwischenlager (WTI-Konzept beziehungsweise STEAG-Konzept) an den anderen Kernkraftwerksstandorten hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) auf Initiative des damals zuständigen BfS Ende 2006 die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) um Stellungnahme zu diesem Vorhaben gebeten. Die RSK hat in ihrer Stellungnahme vom 12. April 2007 festgestellt, dass der Antrag der EnKK die Grundsätze der Sicherheitstechnischen Leitlinien in einzelnen Punkten nicht erfüllt. Mit Schreiben vom 31. Oktober 2007 hat die EnKK daraufhin ein verändertes Konzept analog zu den bereits genehmigten Zwischenlagern an anderen Kernkraftwerken in Norddeutschland eingereicht.

Aktualisiertes Planungskonzept

Geplant ist jetzt die Aufbewahrung der Kernbrennstoffe in einer Lagerhalle aus Stahlbeton mit Verlade- und Lagerbereich. An die Ostseite der Lagerhalle schließt sich ein Betriebsgebäude an. Außerdem ist ein separates Wachgebäude nebst technischen Einrichtungen für den Objektschutz vorgesehen. Das Zwischenlager Obrigheim soll für den autarken Betrieb ausgelegt und bereits unmittelbar nach seiner Inbetriebnahme nahezu autark, d.h. unabhängig von den Einrichtungen des Kernkraftwerks Obrigheim, betrieben werden.

Die bauliche Konzeption der Lagerhalle des Standort-Zwischenlagers Obrigheim orientierte sich zunächst an dem sogenannten WTI-Konzept der Zwischenlager in Süddeutschland. Mit Schreiben vom 6. Dezember 2011 hat die EnKK den Antrag vom 22. April 2005 im Hinblick auf die Bau- und Anlagentechnik weiter präzisiert.

Um neueren Anforderungen hinsichtlich der Anlagensicherung zu genügen, ist nunmehr die Aufbewahrung der Kernbrennstoffe in einer Lagerhalle (ca. 36,6 m lang, ca. 19,7 m breit und ca. 19,0 m hoch) nach dem Konzept eines sog. STEAG-Lagers geplant. Gegenüber dem ursprünglich vorgesehenen WTI-Konzept mit Wandstärken von ca. 85 cm für die Außenwände und ca. 55 cm für die Dicke des Betondachs der Behälterlagerhalle wurden bei der aktuellen Planung des Bauwerks die Wandstärken der Außenwände und des Betondaches auf ca. 1,2 m erhöht. Damit entsprechen die Wandstärken des geplanten Standort-Zwischenlagers Obrigheim nunmehr den Wandstärken der Zwischenlager in Norddeutschland, welche ebenfalls nach dem sogenannten STEAG-Konzept errichtet wurden.

Alternative Aufbewahrung im Standort-Zwischenlager Neckarwestheim

Alternativ hat die EnKK mit Schreiben vom 10. Dezember 2013 beim BfS eine Aufbewahrung der 342 bestrahlten Brennelemente des Kernkraftwerks Obrigheim im Standort-Zwischenlager Neckarwestheim beantragt. Das Konzept der EnKK zur Aufbewahrung der bestrahlten Brennelemente in insgesamt 15 Behältern der Bauart CASTOR® 440/84 mvK wurde dabei beibehalten. Eine entsprechende Genehmigung nach § 6 AtG wurde am 9. August 2016 vom nun zuständigen Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) erteilt.

Das Standort-Zwischenlager Neckarwestheim liegt ca. 40 Kilometer Luftlinie vom Standort Obrigheim entfernt. Im Rahmen einer Transportstudie hat die EnKK untersuchen lassen, auf welchem Transportweg (Straße, Schiene, Neckar) die CASTOR-Behälter in das Standort-Zwischenlager Neckarwestheim transportiert werden könnten. Die EnKK ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der Transport bevorzugt mit einem Binnenschiff über den Neckar erfolgen sollte und für die Be- und Entladung des Schiffs das sogenannte "Roll-on/Roll-off-Verfahren" mit einem Transportfahrzeug präferiert wird. Am 27. März 2014 hat die NCS GmbH im Auftrag der EnKK beim BfS einen entsprechenden Antrag für eine Transportgenehmigung nach § 4 AtG gestellt. Dieses Genehmigungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen und wird vom seit dem 30. Juli 2016 auch für die Genehmigung von Kernbrennstofftransporten zuständigen BfE fortgeführt.

Mit dem Antrag zur Aufbewahrung der KWO-Brennelemente im Standort-Zwischenlager Neckarwestheim verfolgt die EnKK ihre Überlegung, auf die Errichtung eines weiteren Zwischenlagers zu verzichten und den Standort Obrigheim deutlich früher als nuklearen Standort entfallen zu lassen.

Stand: 20.09.2016

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit