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Meldepflichtige Ereignisse in Endlagern

ArtikelDas Meldeverfahren

Wie funktioniert das Meldeverfahren?
Welche Ereignisse sind meldepflichtig?
Und welche Kategorien von Störfällen gibt es?

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) als atomrechtliche Aufsicht informiert an dieser Stelle über Unfälle, Störfälle oder sonstige für die kerntechnische Sicherheit bedeutsame Ereignisse in den Endlagern Morsleben und der Schachtanlage Asse. Meldepflichtiger Betreiber der Anlagen ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE).

Die meldepflichtigen Ereignisse werden in sogenannte Meldekategorien unterteilt. Sie geben darüber Aufschluss, wie dringlich die Information an die Aufsichtsbehörde erfolgen muss und welche sicherheitstechnische Bedeutung das Ereignis hat.

Die veröffentlichten, meldepflichtigen Ereignisse werden in drei Kategorien unterteilt:

• Kategorie S (Sofortmeldung),
• Kategorie E (Eilmeldung)
• und Kategorie N (Normalmeldung).

Näheres dazu finden Sie im nebenstehenden Artikel „Das Meldeverfahren“.

Liste der meldepflichtigen Ereignisse für die Schachtanlage Asse II

Beschreibung des EreignissesKategorieDatum
2017-
Nr. 009/2017E16.11.2017

Beschädigung eines Cubitainers mit Salzlösung auf der 725-Sohle

Bei Rangierarbeiten mit einem Fahrzeug auf der 725-Sohle stieß ein auf dem Fahrzeug befindlicher, mit ca. 750 Liter kontaminierter Salzlösung beladener Flüssigkeitsbehälter (s.g. Cubitainer) gegen einen im Rangierbereich befindlichen Pumpenrahmen und wurde dabei beschädigt. Dabei traten ca. 250 Liter kontaminierte Salzlösung aus. Ursache für die Kollision war eine durch die beengten räumlichen Verhältnisse und eingeschränkte Sicht beeinflusste Fehleinschätzung des Fahrers über den vorhandenen Platzbedarf.
Kontaminationsmessungen am Freisetzungsort ergaben keine unzulässigen Kontaminationswerte. Die ausgelaufene Lösung wurde in einem Sumpf gesammelt, so dass eine weitere Ausbreitung innerhalb des Grubengebäudes nicht erfolgte. Innerbetriebliche Transporte haben eine hohe sicherheitstechnische Relevanz bzgl. dem Einschluss der radioaktiven Abfälle. Kollisionen von Transportfahrzeugen und Beschädigungen von Abfallbehältnissen sind deshalb nach Meldekategorie E zu melden. Der Betreiber hat administrative Maßnahmen ergriffen, um derartige Kollisionen zukünftig zu vermeiden.
Das Ereignis hatte keine Auswirkungen auf Personen, die Umwelt oder den sicheren Anlagenbetrieb.

Nr. 008/2017S12.09.2017

Brandereignis an einem Befahrungsfahrzeug unter Tage

Bei der Nutzung eines Befahrungsfahrzeuges (Geländewagen) kam es im vorderen Bereich des Fahrzeugs zu einem Brand. Nach Information der zentralen Warte durch den Fahrer per Funk wurde umgehend Grubenwehr- und Grubenalarm ausgelöst. Der Brand wurde sofort durch den Fahrer, Beifahrer und die Grubenaufsicht bekämpft und konnte noch vor Eintreffen des Grubenwehrtrupps gelöscht werden. Ursache für den Brand war eine Leckage an einer Schraubverbindung in der Kraftstoffeinspritzung des Fahrzeugs, durch die sich austretender Dieselkraftstoff an heißen Motorbaugruppen entzünden konnte.
Die Fahrzeuge mit vergleichbarem Kraftstoffeinspritzsystem wurden überprüft und die betroffene Schraubverbindung wurde in den Wartungsplan der Fahrzeuge aufgenommen. Es handelte sich um einen Brand, bei dem das Personal die Grube aus Sicherheitsgründen verlassen musste (Meldekategorie S).
Personen kamen durch den Brand nicht zu Schaden. Auswirkungen auf die Umwelt bestanden nicht.

Nr. 007/2017N17.08.2017

Herausgabe einer Salzlösungsprobe ohne Freigabe-/Herausgabeverfahren

Eine an der Hauptzutrittsstelle zur Grube genommene Salzlösungsprobe wurde irrtümlich bereits vor Abschluss des Herausgabeverfahrens nach außen abgegeben. Ursache hierfür war die Fehlinterpretation einer Zustimmung zur internen Weitergabe an das Baustoff- und Lösungslabor.
Die fehlerhaft herausgegebene Salzlösungsprobe war kontaminationsfrei. Vom Betreiber wurden administrative Maßnahmen ergriffen, um derartige Fehlinterpretationen zukünftig zu vermeiden.

Nr. 006/2017N28.06.2017

Einsatz von Kontaminations-Handmessgeräten und des Lüfters der Sonderbewetterung nach Ablauf der Prüffristen für wiederkehrende Prüfungen

Durch die eingeschränkte Zugänglichkeit der Grube aufgrund des Ausfalls der Schachtförderanlage des Schachtes 2 (siehe meldepflichtiges Ereignis Nr. 004/2017) konnten die für diesen Zeitraum geplanten wiederkehrenden Prüfungen (WKP) an den strahlenschutzrelevanten Systemen nicht durchgeführt und die festgelegten Prüffristen somit nicht eingehalten werden. Auf Antrag des Betreibers erteilte daher die Aufsichtsbehörde die Zustimmung für eine Terminverschiebung der Prüfungen und somit für eine Verlängerung der Prüffristen. Nachdem die Prüfungen durchgeführt worden waren, wurde festgestellt, dass diverse Kontaminationsmessgeräte sowie der Lüfter der Sonderbewetterung bereits genutzt wurden, bevor der Verlängerung der Prüffrist durch die Aufsichtsbehörde zugestimmt worden war und somit bevor die WKP an diesen Geräten durchgeführt werden konnte. Dies war ein Verstoß gegen geltende Betriebsregelungen des Prüfhandbuches.
Das Ereignis hatte keine Auswirkungen auf das Personen und den Anlagenbetrieb. Die nachträglichen WKP ergaben keine Auffälligkeiten, so dass davon ausgegangen wird, dass die Geräte auch bei der Nutzung vor Durchführung der WKP ordnungsgemäß funktionierten.

Nr. 005/2017E21.06.2017

Abweichungen bei der Überwachung der Aerosolaktivitätskonzentration

Bei Testmessungen der Durchflussrate an Aerosolmonitoren wurde festgestellt, dass die von diesen Monitoren gemessene Durchflussrate um ca. 30 % zu hoch ist. Dadurch wurde eine entsprechend zu niedrige Aerosolaktivitätskonzentration in der Raumluft ermittelt. Ursache für diese Abweichungen war eine fehlerhafte Berechnungsformel zur Anpassung der Durchflussrate an die jeweils gegebenen Umgebungsbedingungen in der zugrundeliegenden Prüfanweisung. Diese fehlerhafte Kalibrierung der sicherheitstechnisch wichtigen Überwachungseinrichtung wurde auch bei darauffolgenden Routineüberprüfungen nicht bemerkt (Meldekategorie E). Der Fehler wurde korrigiert und eine Neukalibrierung der Aerosolmonitore vorgenommen.
Die betroffenen Aerosolmonitore dienen zur Alarmierung bei einem plötzlichen Anstieg der Aerosolaktivitätskonzentration. Durch die fehlerhafte Einstellung wurde die Durchflussrate um ca. 30% überschätzt, wodurch die Aerosolaktivitätskonzentration in der Luft unterschätzt und eine Alarmierung erst bei einer entsprechend höheren Konzentration erfolgt wäre. Die Überwachung der Aerosolaktivitätskonzentration war durch weitere Messungen (Aerosolsammler, Kontaminationsmessungen) jederzeit sichergestellt.

Nr. 004/2017N22.05.2017

Stillsetzung der Fördermaschine Schacht Asse 2

Bei der Prüfung des Oberseiles der Fördermaschine des Schachts 2 durch einen Sachverständigen wurden an einem Seilabschnitt von ca. 42 m Länge verstärkte Drahtbrüche im Inneren des Seils festgestellt.
Die Fördermaschine wurde daraufhin sofort stillgesetzt. Die Drahtbrüche waren alterungsbedingt und machten einen Austausch des Seils erforderlich. Die Fördermaschine Schacht 2 blieb bis zum Austausch des Seils außer Betrieb. Ein eingeschränkter Grubenbetrieb war während der Stillsetzung des Schachtes 2 über den Schacht 4 sichergestellt.
Der Grubenbetrieb konnte, wenn auch eingeschränkt, weitergeführt werden. Auswirkungen auf Personen oder die Umwelt bestanden nicht.

Nr. 003/2017S06.04.2017

Brand an einem Fahrlader unter Tage

Während eines Salztransportes brach an einem Fahrlader im Heckbereich des Fahrzeugs ein Feuer aus. Es wurde umgehend Grubenalarm ausgelöst und der Brand durch den Fahrer und die Grubenaufsicht bekämpft und unter Kontrolle gebracht. Die vollständige Löschung durch den Grubenwehrtrupp war 15 Minuten nach Branderkennung abgeschlossen. Ursache für den Brand war eine Leckage an einer Hydraulikölkühlungsleitung aufgrund einer gelösten Schraubverbindung.
Das auslaufende Hydrauliköl entzündete sich am heißen Katalysator. Es handelt sich um einen Brand, bei dem das Personal die Grube aus Sicherheitsgründen verlassen musste (Meldekategorie S). Die Grube wurde geräumt und der Grubenbetrieb für ca. 2 Stunden unterbrochen.
Personen kamen durch den Brand nicht zu Schaden. Das Ereignis hatte keine radiologischen Auswirkungen.

Nr. 002/2017N03.04.2017

Feststellung einer Undichtigkeit bei der Prüfung eines genehmigungspflichtigen Prüfpräparates

Bei der wiederkehrenden Prüfung der Prüfpräparate (Sicht- und Vollständigkeitsprüfung) ergab sich an einem radioaktiven Prüfpräparat der Verdacht auf Undichtigkeit. Das Präparat ist flüssig und wird in einer Kunststoffflasche aufbewahrt. Das Präparat wurde daraufhin in eine andere Kunststoffflasche (Overpack) eingebracht. Aufgrund der vermuteten Undichtigkeit war davon auszugehen, dass es bei der Handhabung des Präparats, die an umschlossenen Strahlenquellen ohne Handschuhe und ohne hantierungsbegleitende Kontrollen erfolgt, möglicherweise zu einer leichten Kontamination an den Händen des beteiligten Personals (zwei Mitarbeiter) gekommen ist.
Die Auswertung des Aktivitätsgehalts des Handwaschwassers bestätigte die Vermutung der Kontamination der Hände mindestens eines Mitarbeiters. Für beide betroffene Mitarbeiter wurde daher eine Inkorporationsüberwachung angeordnet. Die weiteren Messungen ergaben, dass sich die Kontamination auf den Innenbereich des Prüfstrahlerschrankes, in dem das Präparat aufbewahrt wurde, beschränkte.
Das Ereignis hatte Auswirkungen auf Personen hervorgerufen. Daraufhin wurde eine Inkorporationsüberwachung veranlasst. Auswirkungen auf den sicheren Betrieb der Schachtanlage oder die Umwelt bestanden nicht.

Nr. 001/2017S03.01.2017

Überschreiten der genehmigten Umgangsaktivitätskonzentration in einer Einlagerungskammer

An dem Gehäuse der Abluftfilteranlage im Bereich der Einlagerungskammer für mittelaktive Abfälle wurde ein Anstieg der Ortsdosisleistung gemessen. Aufgrund der Höhe des Anstiegs wurde vermutet, dass die Aktivitätskonzentration der beaufschlagten Filter über dem nach § 7 StrlSchV für die ASSE genehmigten Grenzwert lag (Meldekategorie S). Die Ursache für den plötzlichen Anstieg der Aktivität in der Einlagerungskammer konnte noch nicht aufgeklärt werden. Es wird eine Freisetzung aus Abfallgebinden innerhalb der Einlagerungskammer vermutet.
Die betroffenen Filter sind inzwischen ausgetauscht und werden in einem externen Labor radiologisch untersucht. Die Überwachung der Ortsdosisleistung an der Filteranlage wurde intensiviert und es wurden zusätzliche Luftstaubproben genommen.
Gemäß den Ergebnissen dieser zusätzlichen Messungen hatte das Ereignis keine Auswirkungen auf den sicheren Betrieb der Schachtanlage, auf Personen oder die Umgebung.

Liste der meldepflichtigen Ereignisse für das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM)

Beschreibung des EreignissesKategorieDatum
2017-
Nr. 001/2017N01.03.2017

Störung der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS)

Im Schacht Bartensleben des ERAM kam es zu einer gestörten Kommunikation zwischen der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) in der zentralen Warte und Baugruppen der SPS auf verschiedenen Sohlen im Grubengebäude. Dies führte zu Störungen der Steuerung von Komponenten der Lüftungsanlagen (Steuerung von Wetterlüftern, Anzeigen von Schließzuständen von Wettertüren) sowie von Überwachungseinrichtungen. Ursache für die Kommunikationsstörung war eine elektronische Baugruppe innerhalb der SPS. Das Ereignis hatte keine Auswirkungen auf den sicheren Endlagerbetrieb, auf Personen oder die Umgebung. Es ist von geringer sicherheitstechnischer Bedeutung.

Stand: 21.12.2017

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit