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Stilllegung kerntechnischer Anlagen

Luftaufnahme des seit 1995 in Stilllegung befindlichen Kernkraftwerks in Greifswald (KGR) Luftbild Kernkraftwerk GreifswaldLuftaufnahme des seit 1995 in Stilllegung befindlichen Kernkraftwerks in Greifswald (KGR) Quelle: EWN GmbH

Nach der endgültigen Abschaltung einer kerntechnischen Anlage schließt sich die Nachbetriebsphase an, während der Arbeiten zur Vorbereitung der Stilllegung durchgeführt werden. Die sich an die Nachbetriebsphase anschließende Stilllegung einer kerntechnischen Anlage erfordert ein umfassendes Genehmigungsverfahren, welches insbesondere Aspekte des Strahlenschutzes und mögliche Auswirkungen auf die Umwelt mit einschließt.

Nicht nur Leistungsreaktoren werden am Ende ihrer Betriebszeit stillgelegt, sondern auch andere Arten von kerntechnischen Anlagen mit einer Genehmigung nach § 7 Atomgesetz, wie Prototyp- und Forschungsreaktoren sowie Anlagen der Kernbrennstoffver- und -entsorgung. Je nach Typ und Zweck der Anlage können erhebliche Unterschiede bezüglich der Art und Menge der in der Anlage vorhandenen Radionuklide auftreten. Das BfE führt Tabellen mit den in Stilllegung und in Betrieb befindlichen kerntechnischen Anlagen in Deutschland.

Kontamination und Aktivierung

Jede Anlage, in der mit radioaktiven Stoffen umgegangen wurde, ist mehr oder weniger mit diesen Stoffen kontaminiert, das heißt, es finden sich Reste dieser Stoffe

  • auf Oberflächen,
  • in Behältern oder
  • in Rohrleitungen.

Durch geeignete Dekontaminationsverfahren können diese sogenannten Kontaminationen wieder entfernt werden. Dazu werden die betroffenen Oberflächen mechanisch oder chemisch abgetragen. Wenn dies erfolgreich ist, können die entsprechenden Stoffe als nicht radioaktives Material wiederverwertet oder beseitigt werden (Freigabe). Als radioaktiver Abfall fallen dann nur die abgetragenen Oberflächen (und gegebenenfalls Hilfsstoffe) an.

Bei Reaktoren tritt zusätzlich die sogenannte Aktivierung der kernnahen Materialien auf, das heißt, durch die Einwirkung von Neutronen während des Reaktorbetriebes wird ein sehr kleiner Teil des Materials selbst radioaktiv. Die Aktivierung betrifft das gesamte jeweilige Materialvolumen und ist deshalb nicht durch Dekontaminationstechniken entfernbar. Diese Teile werden als radioaktiver Abfall entsorgt.

Stilllegungsstrategien

Es gibt verschiedene Stilllegungsstrategien: So können Anlagen

  • entweder direkt nach ihrer Abschaltung abgebaut
  • oder zunächst für einige Jahre sicher eingeschlossen werden, um vor dem nachfolgenden Abbau eine Reduzierung des Aktivitätsinventars durch radioaktiven Zerfall zu erreichen (sicherer Einschluss).

In Deutschland ist bereits eine große Zahl von Leistungs- und Prototypreaktoren, Forschungsreaktoren und Anlagen der Kernbrennstoffver- und Entsorgung stillgelegt worden. Einige Anlagen sind bereits vollständig abgebaut worden, das heißt, die Anlagengebäude wurden abgerissen und das Anlagengelände wurde freigegeben und rekultiviert. Es liegen also praktische Stilllegungserfahrungen vor.

Im Atomgesetz (AtG) werden für die in Deutschland im Betrieb befindlichen Leistungsreaktoren individuell festgelegte Elektrizitätsmengen festgelegt, die der einzelne Reaktor produzieren darf, bevor seine Betriebsgenehmigung erlischt. Seit August 2011 bestimmt das Atomgesetz zudem für alle Leistungsreaktoren feste Abschalttermine. Hieraus resultiert die schrittweise Abschaltung und Stilllegung aller Leistungsreaktoren in Deutschland.

Leitfaden zur Stilllegung kerntechnischer Anlagen

Für die Stilllegung kerntechnischer Anlagen gibt es in Deutschland kein eigenes Regelwerk. Die Stilllegung wurde vielmehr in die nukleare Gesetzgebung integriert. Um eine Übersicht über die bei der Stilllegung zu beachtenden rechtlichen Aspekte zu geben, wurde ein Stilllegungsleitfaden erarbeitet.

An der Erstellung waren neben Abgesandten der atomrechtlichen Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden der Bundesländer im Arbeitskreis Stilllegung auch Mitarbeiter des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH sowie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) beteiligt. Am 19. Juli 2016 wurde der Stilllegungsleitfaden im Bundesanzeiger (BAnz. AT 19.07.2016 B7) veröffentlicht.

Interessenten können den Leitfaden zur Stilllegung, zum sicheren Einschluss und zum Abbau von Anlagen oder Anlagenteilen nach § 7 des Atomgesetzes in der Bekanntmachung vom 23. Juni 2016 im Handbuch Reaktorsicherheit und Strahlenschutz in der Rubrik "3 Bekanntmachungen des BMUB und des vormals zuständigen BMI" herunterladen.

Stand: 11.07.2017

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit