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Lagerkapazitäten für radioaktive Reststoffe und Abfälle aus Stilllegungsvorhaben

Wenn kerntechnische Anlagen stillgelegt und abgebaut werden, fallen radioaktive Reststoffe und Abfälle an. Deren Lagerung wird bereits bei der Planung der Stilllegung bedacht.

Bis der beim Abbau entstehende radioaktive Abfall in ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gebracht werden kann, muss er zunächst behandelt, endlagergerecht verpackt (konditioniert) und dann in einem Zwischenlager aufbewahrt werden. Durch ausreichende Lagerbereiche für die anfallenden Reststoffe und Abfälle wird der Rückbauprozess innerhalb der stillzulegenden kerntechnischen Anlage optimiert.

Die bisherigen Stilllegungserfahrungen in Deutschland zeigen, dass die Stilllegung und der Abbau von Kernkraftwerken nicht vom Betriebsbeginn des Endlagers Konrad abhängen. Beispielsweise wurde für das seit dem Jahr 2005 in Stilllegung befindliche Kernkraftwerk Stade ein neues Zwischenlager eigens für die Stilllegungsabfälle errichtet. Für das seit dem Jahr 1997 in Stilllegung befindliche Kernkraftwerk Würgassen wurden vorhandene Raumbereiche für die Zwischenlagerung von Stilllegungsabfällen umgewidmet und es wurden vorhandene Lagereinrichtungen genutzt. Beide Stilllegungsprojekte sind bereits weit vorangeschritten.

Lagertypen

Je nach Zweck und Dauer der Lagerung unterscheidet man zwischen folgenden Lagertypen:

  • Zwischenlager:

    In einem Zwischenlager werden endlagergerecht verpackte (konditionierte) Abfallgebinde für eine Übergangszeit so lange zwischengelagert, bis sie in ein annahmebereites Endlager gebracht werden können.

  • Pufferlager:

    Ein Pufferlager ist zwischen zwei aufeinander folgenden Bearbeitungsschritten angeordnet und hat die Aufgabe, einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

  • Abklinglager:

    Das Abklinglager dient der Reduktion der Aktivität durch radioaktiven Zerfall. In diesem Lager werden Reststoffe (auch Großkomponenten) so lange gelagert, bis sie freigegeben (= Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung) oder weiter behandelt werden können. Die Abklinglagerung wird zum Beispiel für zerlegten Metallschrott, aber auch für unzerlegte Großkomponenten wie Reaktordruckbehälter oder Dampferzeuger genutzt.

  • Transportbereitstellungslager:

    Im Transportbereitstellungslager werden transportgerecht verpackte Reststoffe oder Abfälle so lange bereitgestellt, bis sie an externe Einrichtungen abgegeben werden.

Bereitstellen von Lagerkapazitäten

Für acht deutsche Kernkraftwerke ist die Berechtigung zum Leistungsbetrieb am 6. August 2011 erloschen, woran sich eine mehrjährige Nachbetriebsphase anschließt.

In den bisher bei den zuständigen Länderbehörden eingereichten Anträgen auf Stilllegung und Abbau dieser Kernkraftwerke werden verschiedene Optionen thematisiert, um die notwendigen Lagerkapazitäten anlagenspezifisch bereitzustellen:

  • Vorhandene interne oder externe Lagereinrichtungen sollen genutzt werden,
  • Räume und Anlagenbereiche innerhalb des Kernkraftwerkes sollen zu Lagereinrichtungen umgewidmet werden oder
  • neue standortnahe Lager sollen errichtet werden.

Warum ausreichende Lagerkapazitäten nötig sind

In der Vergangenheit wurden Lagerkapazitäten für die Reststoffe und Abfälle aus Stilllegungsprojekten geschaffen. Entsprechende Lagerkapazitäten sind unabhängig von einem bereitstehenden Endlager erforderlich und werden auch nach einer Inbetriebnahme von Schacht Konrad erforderlich sein. Das liegt daran, dass die Abfälle vor Ort verarbeitet, verpackt und zunächst zwischengelagert werden müssen. Zudem kann das zukünftige Endlager Konrad jährlich nur eine begrenzte Menge schwach- und mittelradioaktiver Abfälle annehmen. Die Abfälle müssen außerdem nach einem mit allen Abfallerzeugern abgestimmten Zeitplan in das Endlager Konrad gebracht werden.

Ferner wird der Rückbauprozess innerhalb der stillzulegenden Anlage optimiert, wenn ausreichende Lagerkapazitäten für die Reststoffe und Abfälle errichtet werden. Denn so können Anlagenteile in den Kraftwerksblöcken unabhängig von einer eventuellen späteren Zerlegung und Weiterbehandlung von gelagerten Reststoffen und großen Komponenten abgebaut werden.

Stand: 04.07.2016

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit