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Mögliche Störungen der Sicherheit

Kernkraftwerke in Deutschland müssen gegen unterschiedliche Ereignisse geschützt sein. Nach den Vorschriften des Atomgesetzes darf der Betrieb eines Kernkraftwerkes nur dann genehmigt werden, wenn die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik erforderliche Vorsorge gegen Schäden getroffen ist (§ 7 Absatz 2 Nummer 3 des Atomgesetzes). Dies ist eine der zentralen Anforderungen an die Sicherheit eines Kernkraftwerkes.

Auslegungsstörfälle

Nach dem zum Zeitpunkt der Genehmigungserteilung aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik werden technische Störungen und Ereignisse untersucht und bewertet, die eine Gefährdung für Mensch und Umwelt darstellen können. Gegen bei der Genehmigungserteilung betrachtete Ereignisse (sogenannte Auslegungsstörfälle) müssen zuverlässig wirksame Maßnahmen getroffen werden, so dass vorgegebene Grenzwerte der Strahlenbelastung eingehalten werden können.

Die deutschen Kernkraftwerke sind gegen technische Störungen in der Anlage wie

  • Bruch der Kühlmittelleitungen,
  • Verlust der Stromversorgung,
  • Brand und Explosion und Leckagen

ausgelegt, ebenso gegen Einwirkungen von außerhalb der Anlage wie

  • Erdbeben,
  • Überflutung,
  • Explosionsdruckwelle.

Für zwar denkbare, aber als sehr unwahrscheinlich erachtete Ereignisse, zum Beispiel einem Flugzeugabsturz, sind ebenfalls Schutzmaßnahmen vorzusehen.

Randbedingungen zur Auslegung der Anlage

Für alle betrachteten Störfälle sind Annahmen über mögliche Ereignisabläufe und über die Größe ihrer Auswirkungen festgelegt worden. Bei der Festlegung dieser Annahmen sind allerdings in der Vergangenheit unterschiedliche Anforderungen in den Genehmigungen festgeschrieben worden.

Das kerntechnische Regelwerk setzt die Annahmen für solche Ereignisse und somit die Randbedingungen zur Auslegung der Anlage fest. Sicherheitseinrichtungen müssen grundsätzlich mehrfach vorhanden sein (Redundanz). Die Anwendung unterschiedlich wirkender technischer Lösungen (Diversität) soll die Zuverlässigkeit erhöhen.

Wofür steht die Abkürzung GAU?

GAU ist die Abkürzung für den "Größten Anzunehmenden Unfall". Er beruht auf einem in der Frühzeit der Kerntechnik angewendeten Konzept zur Auslegung von Kernkraftwerken gegen Störfälle. Vereinfacht gesagt, betrachtete man ein Ereignis, das so groß war - zum Beispiel einen Abriss der größten Kühlmittelleitung -, dass alle anderen denkbaren Ereignisse - zum Beispiel ein Abriss kleinerer Leitungen - als weniger gravierend einzuordnen wären. Die Sicherheitssysteme mussten in einem solchen Fall gewährleisten, dass die Strahlenbelastung außerhalb der Anlage die nach der Strahlenschutzverordnung geltenden Störfallgrenzwerte nicht überschreitet. Ein GAU in seiner ursprünglichen Bedeutung muss von der Anlage also vollständig beherrscht werden. Der moderne Begriff für solche Ereignisse sind die Auslegungsstörfälle, also die Störfälle, die ein Kraftwerk „aushalten“ können muss.

Unfälle in Kernkraftwerken im heutigen Sinne (siehe INES-Skala) werden als auslegungsüberschreitende Ereignisse bezeichnet, also Ereignisse jenseits dessen, was man ehemals als GAU bezeichnet hat. Oftmals wird hierfür der Begriff des Super-GAU verwendet. Auslegungsüberschreitende Ereignisse können den Einsatz von Notfallmaßnahmen notwendig machen.

Stand: 25.07.2016

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit