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Vorbeugende Maßnahmen gegen Stromausfall

Kernkraftwerke sind auf eine Versorgung mit elektrischer Energie ("Strom") angewiesen, da sie über zahlreiche elektrisch betriebene Systeme verfügen. Hierzu zählen auch für die Sicherheit wichtige Systeme. Für den Fall, dass die externe Stromversorgung eines Kernkraftwerkes ausfällt, sind daher vorsorgliche Maßnahmen getroffen.

Stromversorgung im Kernkraftwerk

Ein Kernkraftwerk produziert Strom und speist diesen in das öffentliche Stromnetz ein. Es ist zugleich Verbraucher elektrischer Energie, da es Strom für seine elektrisch betriebenen Komponenten benötigt (z.B. Pumpen, Ventile, Lüftung, usw.). Kernkraftwerke in Deutschland können sich in der Regel über drei unterschiedliche Wege mit Strom versorgen:

  • Eigene Produktion

    Während des normalen Betriebs versorgen sich die Kraftwerke selbst mit dem für den eigenen Bedarf erforderlichen Strom. Der restliche produzierte Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

  • Über Hauptnetzanschluss aus öffentlichem Stromnetz

    Wenn das Kraftwerk sich im Stillstand befindet oder abgeschaltet wurde (zum Beispiel bei einer Revision oder nach einem Störfall), erfolgt die Versorgung für den Eigenbedarf des Kernkraftwerkes mit Strom aus dem öffentlichen Stromnetz über den Hauptnetzanschluss.

  • Über Reservenetzanschluss aus öffentlichem Stromnetz

    Fällt der Hauptnetzanschluss aus, wird auf einen Reservenetzanschluss umgeschaltet, der mit einer anderen Spannungsebene des öffentlichen Stromnetzes verbunden und unabhängig vom Hauptnetzanschluss ist.

Ausfall externer Stromversorgung

Fällt die Anbindung an die externe Stromversorgung komplett aus, kann ein Kernkraftwerk seine erzeugte elektrische Leistung nicht mehr an das Netz abgeben. Dann reduziert das Kernkraftwerk seine Leistung drastisch auf einen Wert, der dem eigenen Bedarf an elektrischer Leistung entspricht. So kann das Kernkraftwerk sich im Inselbetrieb abgekapselt vom restlichen Stromnetz selbst mit Strom versorgen. Diesen Vorgang nennt man "Lastabwurf auf Eigenbedarf".

Sollte der Lastabwurf auf Eigenbedarf fehlschlagen, wird das Kernkraftwerk automatisch heruntergefahren und deckt seinen Bedarf an elektrischer Leistung stufenweise über

  • Notstromdiesel

    In deutschen Kernkraftwerken sind mehrere Notstromdiesel vorhanden, die alle für die Sicherheit notwendigen Systeme versorgen (z.B. Kühlwasserpumpen, Leittechnik). Ihre Zahl und Leistungsfähigkeit ist in den verschiedenen Anlagen unterschiedlich. In der Regel sind auf den Anlagen Treibstoffvorräte für mehrere Tage vorhanden. Diese können bei Bedarf ergänzt werden.

  • Benachbartes Kraftwerk

    Ein benachbartes Kraftwerk (z.B. Gasturbinen- oder Wasserkraftwerk) oder ein benachbarter Kernkraftwerksblock (bei Anlagen mit mehreren Kraftwerksblöcken auf dem Anlagengelände) können Strom liefern. Bei manchen Anlagen ist eine direkte Verbindung vorhanden.

Station Blackout: Zusätzlicher Ausfall der Notstromdiesel

Ist die externe Stromversorgung ausgefallen und fallen zusätzlich auch die Notstromdiesel aus, spricht man vom "Station Blackout". In diesem Fall besteht für alle wichtigen Bereiche der Leittechnik sowie ausgewählte, kleinere elektrische Verbraucher eine batteriegestützte Stromversorgung. Diese Batterieversorgung kann die genannten Bereiche auch bei einem Ausfall der Notstromdiesel für einen begrenzten Zeitraum mit Strom versorgen. Jedoch kann die Batterieversorgung keine größeren elektrischen Verbraucher wie z.B. Kühlwasserpumpen versorgen.

Zusätzlich besitzt jedes Kernkraftwerk mobile, geschützt aufbewahrte Dieselaggregate, die bei einem Station Blackout zum Einsatz gebracht werden und die Batterien wieder aufladen sowie ausgewählte Systeme mit Strom versorgen können.

Stand: 28.02.2017

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit