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Facharbeitskreis probabilistische Sicherheitsanalysen

Der Facharbeitskreis Probabilistische Sicherheitsanalyse ist ein vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) einberufenes und vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) geleitetes Gremium technischer Experten, die bei

  • Behörden,
  • Sachverständigenorganisationen,
  • Herstellern und
  • Betreibern kerntechnischer Anlagen sowie
  • Beratern

auf dem Gebiet der probabilistischen Sicherheitsanalyse (PSA) tätig sind. Bis zum 30. Juni 2016 hatte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) diese Aufgabe wahrgenommen.

Als Expertengremium berät der Facharbeitskreis PSA das BMUB zu Fragen der probabilistischen Sicherheitsanalyse.

Was ist eine probabilistische Sicherheitsanalyse?

Die probabilistische Sicherheitsanalyse (PSA) ist eine Methode der quantitativen Sicherheits- und Risikobewertung. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen von Kernkraftwerken. Die PSA beruht auf einem probabilistischen (wahrscheinlichkeitstheoretischen) Ansatz, das heißt, der zahlenmäßigen Beschreibung von Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten.

Aufgaben des Facharbeitskreises PSA

Zu den Aufgaben des Facharbeitskreises PSA gehören

  • Weiterentwicklung der Fachbände zur probabilistischen Sicherheitsanalyse,
  • der technisch-wissenschaftliche Erfahrungsaustausch zu Methoden, Anwendungen und wichtigen Ergebnissen probabilistischer Sicherheitsanalysen im In- und Ausland,
  • die fachliche Diskussion neuer Entwicklungen bei Methoden, Daten und Vorgehensweisen, und
  • die Feststellung fachlicher Übereinstimmungen oder Auffassungsunterschiede zu technisch-wissenschaftlichen Fragen der Durchführung von PSA für Kernkraftwerke.

Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben findet in der Regel halbjährlich eine Sitzung des Facharbeitskreises statt. Der technisch-wissenschaftliche Austausch zu speziellen Fragestellungen kann in kleinen Arbeitsgruppen erfolgen, die ihre Ergebnisse dem Facharbeitskreis PSA vorstellen.

Fachbände zur Sicherheitsanalyse in Kernkraftwerken Fachbände zur Sicherheitsanalyse in KernkraftwerkenFachbände zur probabilistischen Sicherheitsanalyse in Kernkraftwerken

Fachbände zur probabilistischen Sicherheitsanalyse

Die übergeordneten behördlichen Anforderungen sowie den Umfang und die Analysetiefe der probabilistischen Sicherheitsanalysen im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung regelt der "Leitfaden zur Durchführung der Sicherheitsüberprüfung gemäß § 19a des Atomgesetzes – Leitfaden Probabilistische Sicherheitsanalyse für Kernkraftwerke in der Bundesrepublik Deutschland". Der Leitfaden verweist zu konkreten Einzelheiten bei der Durchführung auf die beiden Fachbände zu Methoden und Daten zur probabilistischen Sicherheitsanalyse für Kernkraftwerke.

Die Fachbände empfehlen und erläutern Methoden und Daten zur Durchführung einer probabilistischen Sicherheitsanalyse. Damit erhöhen sie die Verfahrenssicherheit für die konkrete Durchführung probabilistischer Analysen und erleichtern ihre Begutachtung. Durch ihre detaillierten methodischen Empfehlungen unterscheiden sich die Fachbände von den meisten internationalen Leitfäden oder Standards, die oft nur einen Rahmen für die durchzuführenden Analysen setzen und keine technischen Einzelheiten und Methodendarstellungen oder Daten beinhalten.

Der Facharbeitskreis PSA hatte bereits im Zeitraum von 1993 bis 1996 zwei Fachbände zu Methoden und Daten für die probabilistische Sicherheitsanalyse zum Zweck der Sicherheitsüberprüfung nach § 19a AtG erarbeitet. Diese Bände sind zwischen 1999 und 2005 zusammen mit dem übergeordneten "Leitfaden" hinsichtlich des Analyseumfangs umfangreich überarbeitet und erweitert worden.

Ergänzungsband Ergänzungsband zur probabilistischen SicherheitsanalyseErgänzungsband zu den Methoden und Daten zur probabilistischen Sicherheitsanalyse für Kernkraftwerke

Grundidee der dritten Fortschreibung, die 2008 begonnen und 2015 abgeschlossen wurde, ist die Dokumentation der umfangreichen Erfahrungen aus der Anwendung und die Berücksichtigung neuer Entwicklungen auf dem Gebiet der PSA. Zu diesem Zweck hat der Facharbeitskreis PSA vier Arbeitsgruppen beauftragt, die folgenden Kapitel mit ihren zugehörigen Anlagen zu überarbeiten:

  • PSA der Stufe 1 ausgehend vom Nichtleistungsbetrieb,
  • PSA der Stufe 2 ausgehend von Leistungsbetrieb,
  • Erdbeben und Hochwasser und
  • Personalhandlungen mit dem Ziel der Öffnung für neue Methoden.

Die Ergebnisse wurden in einem Ergänzungsband veröffentlicht. Der vorliegende Ergänzungsband zu den Methoden und Daten zur probabilistischen Sicherheitsanalyse für Kernkraftwerke enthält diejenigen Abschnitte des Methoden- und Datenbandes des Jahres 2005, an denen Änderungen, Erweiterungen und Aktualisierungen vorgenommen wurden.

Entwicklung der Fachbände des Facharbeitskreises PSA

Anfang des Jahres 2013 wurden die Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke bekanntgemacht. Damit ist es auch über die Sicherheitsüberprüfung gemäß § 19a AtG hinaus notwendig, probabilistische Methoden anzuwenden, um die Ausgewogenheit der sicherheitstechnischen Auslegung der Anlage sowie die sicherheitstechnische Relevanz von Änderungen an der Anlage oder ihrer Betriebsweise zu beurteilen.

Gemäß der Sicherheitsanforderungen für Kernkraftwerke sind zudem auch Ereignisse oder Phänomene probabilistisch zu bewerten, die im Betrieb aufgetreten oder bekannt geworden sind. Der Facharbeitskreis PSA hat deshalb Ende 2012 die Arbeitsgruppe "Probabilistische Sicherheitsanalyse im Aufsichtsverfahren" einberufen, die geeignete methodische Hilfestellungen für die Anwendung der PSA gemäß den "Sicherheitsanforderungen" erarbeiten soll

Im Rahmen einer Diskussion zu zukünftigen Themen und Aufgaben des Facharbeitskreis PSA wurden unter anderem folgende mögliche Arbeitsgebiete identifiziert:

  • Fragen der Nachbetriebsphase,
  • Erfahrungen mit neuen Methoden, insbesondere zur Bewertung von Personalhandlungen,
  • PSA der Stufe 2 für das Brennelement-Lagerbecken,
  • Übergreifende Ereignisse und Methoden zur Ermittlung der Häufigkeit übergreifender Ereignisse.
Stand: 20.10.2016

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