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Untersuchungsvorhaben zur Sicherheitskultur

Die Sicherheitskultur ist eine sicherheitsgerichtete Grundhaltung, die die Verantwortung und Handlungsweise aller Mitarbeiter einer kerntechnischen Anlage bestimmt. Sie ist für die Gewährleistung der Sicherheit der Anlage erforderlich.

Sicherheitskultur betrifft sowohl die Organisation als auch die Einzelpersonen. Sie umfasst die Gesamtheit der Eigenschaften und Verhaltensweisen, die dazu dienen, dass die nukleare Sicherheit als eine übergeordnete Priorität die erforderliche Aufmerksamkeit erhält. Die Sicherheitskultur ist ein besonderer Aspekt der sicherheitstechnischen Bewertung von Betriebserfahrung.
Eine Erhöhung der Sicherheitskultur erfordert eine integrierte Sichtweise von Mensch, Technik und Organisation

  • auf den Managementebenen des Betreibers,
  • bei den Mitarbeitern der entsprechenden Anlage und
  • bei externen Unternehmen und Dienstleistern des Betreibers.

Zur Sicherheitskultur tragen aber auch die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden bei.

Das BfE beteiligt sich an der internationalen Diskussion zur Sicherheitskultur, zum Beispiel bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (International Atomic Energy Agency, IAEA) und der Nuclear Energy Agency (NEA) der OECD. Außerdem betreut das BfE auch Ressortforschungsvorhaben zu diesem Thema.

IAEA und Sicherheitskultur

Sicherheitskultur ist ein wesentliches Thema der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA. In Fachveranstaltungen und Gremien zu diesem Thema, an denen auch das BfE beteiligt ist, werden aktuelle Themen erörtert wie zum Beispiel

  • Vorgehensweisen zur Überprüfung bzw. Selbstüberprüfung von Organisationen zur Sicherheitskultur (auch von Aufsichtsbehörden),
  • Methoden zur Verbesserung der Sicherheitskultur und
  • Einfluss der kerntechnischen Aufsicht auf Sicherheitskultur beim Genehmigungsinhaber.

Aktuelle Ressortforschungsvorhaben

Aktuell ist das BfE sowohl mit der fachlichen Betreuung als auch mit der Bewertung der Ergebnisse verschiedener Ressortforschungsvorhaben zum Thema Sicherheitskultur betraut:

Entwicklung eines Leitfadens zur Erfassung und Beurteilung der Sicherheitskultur in Kernkraftwerken

Ziel des Leitfadens ist es, die Aufsichtsbehörden bei der Beurteilung zu unterstützen, ob Unternehmen, die Kernkraftwerke betreiben, eine starke Sicherheitskultur pflegen. Der Leitfaden kann auch durch weitere Anwender genutzt werden.

Der Leitfaden soll sich auf Vorkehrungen und Faktoren des Sicherheitsmanagements konzentrieren, von deren Ausgestaltung man nach fachwissenschaftlichem Erkenntnisstand eine nachhaltige Auswirkung auf sicherheitskulturell wichtige Einstellungen, Werte und Motivationen erwarten kann. Er soll kurz sein, aber das Wesentliche erfassen.

Mithilfe des Leitfadens kann beurteilt werden, ob die real bestehende Sicherheitskultur auf inakzeptable Weise von einer starken Sicherheitskultur abweicht. Das kerntechnische Regelwerk weist dem Betreiber die Verantwortung für die Förderung der Sicherheitskultur zu. Die Beurteilung mit Hilfe des Leitfadens unterstützt die Aufsichtsbehörde also dabei, jene Aspekte der Sicherheitskultur zu erkennen, die der Betreiber überhaupt oder stärker als bisher zu fördern hat.

Nach dem Beschluss, die nukleare Erzeugung elektrischer Energie in den nächsten Jahren einzustellen, unterliegt die Sicherheitskultur deutscher Kernkraftwerke großen Herausforderungen. Dazu gehört zum Beispiel die Motivation qualifizierter Mitarbeiter, auf den Anlagen weiterzuarbeiten und einem damit einhergehenden Verlust von Know-How zu verhindern.

Erhaltung und Weiterentwicklung der Sicherheitskultur in Kernkraftwerken unter Berücksichtigung der aktuellen Randbedingungen der Kernenergienutzung in Deutschland

Die aktuellen Rahmenbedingungen für die Energieerzeugung aus Kernkraft in Deutschland, die bis Ende 2022 beendet wird, bringen eine Reihe von Veränderungen für die betroffenen Organisationen und Personen mit sich. Diese Veränderungen werden sich tiefgreifend auf die Merkmale und Einstellungen auswirken, die in Unternehmen und Personen dazu beitragen, Belangen der Sicherheit die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen.

Bisherige Forschungsarbeiten befassen sich ausschließlich mit der Erfassung und Beurteilung des aktuellen Standes der Sicherheitskultur. Ziel des aktuellen Ressortforschungsvorhabens ist es deshalb, darüber hinaus mögliche Vorgehensweisen zur positiven Einflussnahme auf die Sicherheitskultur zu ermitteln und ihre Wirksamkeit zu bewerten. Dazu soll im Rahmen des Vorhabens untersucht werden,

  • welche sicherheitskultur-relevanten Sachverhalte beeinflusst werden können,
  • auf welche Weise dies möglich ist und
  • wie man die Wirksamkeit der Einflussnahme vor ihrer Einführung und Umsetzung beurteilen kann.

Das Vorhaben baut auf einschlägigem Fachwissen, aber auch auf Erfahrungen bisher praktizierter Vorgehensweisen auf, die vor allem im Ausland und bei internationalen Organisationen vorliegen.

Hinweis: Seit dem 30. Juli 2016 betreut das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) Untersuchungsvorhaben zur Sicherheitskultur. Es hat diese Aufgabe vom bis dahin zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) übernommen.

Stand: 04.10.2016

© Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit